Monitoring im Fußball – Nur was du misst, kannst du auch managen!

von Jürgen Pranger


Gepostet am 7.11.2020



Die Überwachung der Spieler durch die Erhebung und Auswertung von Daten hat im professionellen Fußball längst Einzug gehalten.


Westen mit GPS Sensoren zählen im Fußball mittlerweile zum Standard. Die Spieler werden komplett durchleuchtet und alle Aktivitäten peinlichst genau getrackt. Was wurde gegessen? Wie lange wurde geschlafen? Wie viele Kilometer wurden zurückgelegt? Wie viele Sprints wurden absolviert? Und vieles mehr. Jede Kleinigkeit wird überwacht, dokumentiert und wenn nötig angepasst. Es wird nichts mehr dem Zufall überlassen. Doch welche Auswirkungen hat dieser Trend auf den gesamten Fußball? Und ist ein Monitoring überhaupt notwendig?

Der Trend wird sich sicherlich immer weiter in diese Richtung entwickeln. Der Grund dafür ist ganz einfach. Durch ein gut durchdachtes Monitoring können Fehlentwicklungen erkannt und geändert werden und somit der Schüssel zum Erfolg sein. Denn nur Dinge, die du misst, kannst du auch managen. Ohne eine Überwachung der Abläufe einer Mannschaft kannst du als Trainer nicht wissen, sondern lediglich glauben/annehmen, dass die Trainingssteuerung passt und deine Spieler angemessen belastet werden. Aber nur durch die Erhebung von Daten kann abgeschätzt werden, ob sich deine Spieler weiterentwickeln, stagnieren oder im schlimmsten Fall sogar schlechter werden.

Aufgrund des Feedbacks durch Daten kannst du dein Training anpassen und somit optimieren. Und es funktioniert! Große Klubs haben deswegen teure Geräte und zahlreiche Datenanalysten und Sportwissenschaftler beschäftigt, die Daten auswerten und die daraus resultierenden Konsequenzen dem Trainer verständlich aufbereiten. Vereine, die in diesem Bereich besser und innovativer arbeiten, werden meiner Meinung nach in der Zukunft die Nase vorne haben. Auch im Amateurbereich wird diesbezüglich immer besser und professioneller gearbeitet.


Warum das kontinuierliche Monitoring so wichtig ist, möchte ich an einer einfachen Fragestellung demonstrieren. Ich habe dabei das Beispiel von Jerome Polenz aus seinem Blog Zonal.ly übernommen.


Wer von euch weiß, was er vor 3 Wochen zu Mittag gegessen hat?

Wahrscheinlich nur einige von euch, oder?


Und wer von euch weiß, was er an jedem einzelnen Tag in den letzten 3 Wochen zu Mittag gegessen hat?

Wahrscheinlich niemand.


Und jetzt stellt euch einmal die Frage, wie es menschenmöglich sein soll, die Trainingsleistungen jedes einzelnen Spielers über Wochen und Monate höchst detailliert im Blick und im Kopf zu behalten.

Bei 30 Spielern und etwa 24 Platzeinheiten im Monat (inkl. Spielen) müsste ein Bundesligatrainer monatlich 720 Einzelwerte im Kopf haben, dazu noch jeweils die Trends jedes einzelnen Spielers über einen längeren Zeitraum. Ein unmögliches Unterfangen, wenn man bedenkt, wie viele zusätzliche Aufgaben ein Trainer in der täglichen Arbeit zu erfüllen hat.

Zusätzlich kommen noch zahlreiche andere Daten hinzu, die als Trainer berücksichtigt werden müssen. Zum Beispiel Leistungsdaten der Spieler (Leistungsdiagnostik), Wohlbefinden, Erholung oder Verletzungsstatistiken. All diese Informationen sind sehr wertvoll für die Trainingssteuerung. Ohne Hilfsmittel kann diese Menge an Daten bei weitem nicht angemessen beurteilt werden.

Die Vorteile der Überwachung der Trainingsbelastung sind vielfältig, lassen sich jedoch in einem Satz zusammenfassen: Diese Informationen müssen den Athleten helfen, „besser zu trainieren“. „Besser trainieren“ hilft zweifellos – sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene -, die eigenen Ziele für die Förderung der Gesundheit und der sportlichen Leistung zu erreichen.


Wie sieht so ein Monitoring aus und welche Systeme/Möglichkeiten gibt es für Vereine?

Auf dem Markt gibt es natürlich schon diverse Anbieter, die neben GPS-Tracking, Herzfrequenzmessung etc. auch die Option bieten, allgemeine Trainingsleistungen zu dokumentieren und diese in Verbindung mit den physischen Daten zu setzen.

Anbieter: QUS, StatSport, Catabult, Tracktics, um nur einige zu nennen.


Vorteile dieser Systeme:
Objektive Datenerhebung, Erhebung der externen Belastung der Spieler (External Load), die Daten werden meist auf einer Plattform gespeichert.

Nachteil dieser Systeme: Teuer, aufwändig in der Handhabung, Daten müssen von einem Fachmann beurteilt und ausgewertet werden.

Es muss bei der Erhebung von Daten zwischen objektiven und subjektiven Daten sowie externen und internen Belastungsdaten unterschieden werden.


Objektive Daten werden von Sensoren erhoben, welche die gelaufene Distanz, Anzahl der Sprints, Playerload, Herzfrequenz etc. tracken können. Subjektive Daten werden von den Spielern durch eine Selbsteinschätzung bereitgestellt (z.B.: Subjektives Belastungsempfinden, Wohlbefinden, Schmerzen, Motivation, Erholungsstatus etc.).

Die externen Belastungsdaten (Externel Load) werden erhoben, indem die physische Arbeit eines Spielers (Anzahl der Sprints, bewegtes Gewicht, gelaufene Distanz etc.) während des Trainings, eines Spiels oder in der Freizeit dokumentiert wird. (Bourdon et al., 2017)

Die interne Belastung (Internal Load) ist die individuelle Reaktion des Spielers auf eine externe Belastung. Sie wird durch verschiedene Stressoren (Trainingszustand, Alter, Stress, Umgebung etc.) beeinflusst. Jeder Athlet reagiert auf eine Belastung anders. Die interne Belastung ist der entscheidende Faktor, ob sich der Spieler physisch und psychisch weiterentwickelt oder stagniert. Sie korreliert direkt mit der Verletzungswahrscheinlichkeit. Das fortlaufende Monitoring der internen Belastung ist daher von entscheidender Bedeutung. (Bourdon et al., 2017)

Für eine genaue Beurteilung des IST-Zustandes deiner Mannschaft, sollten alle Aspekte vom sogenannten Überwachungszyklus berücksichtigt werden. (Gabbett et al. 2017)

Es gibt im professionellen Fußball so gut wie keine Mannschaft mehr, die nicht in irgendeiner Form Daten von den Spielern erhebt, auswertet und daraus Konsequenzen für das Training ableitet. Aber auch im Amateurbereich kommt der Trend der Datenerhebung immer mehr an. Mannschaften und Vereine, die diesen Trend frühzeitig erkennen und im Klub entsprechend umsetzen, werden sich in Zukunft von ihren Ligakonkurrenten abheben können. (Akenhead & Nassis 2016)

Viele Trainer machen mit ihren Spielern, um den IST-Zustand der Mannschaft zu erheben, zumindest 1-2 Mal im Jahr eine Leistungsdiagnostik. Oftmals werden diese Daten aber nicht gespeichert, geschweige denn analysiert oder für die Trainingssteuerung genutzt. Wertvolles Potential geht dadurch verloren.


Möglichkeit einer einfachen und billigen Datenerhebung für Vereine mit einem kleineren Budget

Auch mit einem kleinere Budget können Vereine professionell arbeiten. Es gibt mehrere Möglichkeiten, ein effizientes Monitoring preiswert und einfach im Verein umzusetzen. Meistens muss zwar aufgrund der Anschaffungskosten auf teure Trackingsysteme zur Erhebung objektiver Daten verzichtet werden, jedoch ist die Erhebung von subjektiven Daten jederzeit möglich.

Jeder gute Trainer sollte ständig mit den Spielern in Kontakt stehen und sich über den Zustand der Spieler informieren (Fitnesszustand, Müdigkeit, Motivation, Schmerzen, Probleme etc.). Das Problem dabei ist meist, dass schlichtweg die Zeit fehlt um alle Spieler vor und nach dem Training über deren Zustand zu befragen. Außerdem kann sich der Trainer nie und nimmer alle erhaltenen Informationen merken, geschweige denn auswerten.

Dabei können einfache Softwaresysteme helfen, welche die Daten automatisch über Fragestellungen (z.B.: über das Smartphone) erheben, organisieren, aufbereiten und analysieren. Diese Systeme sind in der Lage, Fehlentwicklungen automatisch zu erkennen und informieren umgehend den Trainer. Darüber hinaus kann die Software dem Trainer eine Empfehlung abgeben, welche Maßnahmen er setzen könnte, um die körperliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft zu erhöhen oder um die Verletzungsgefahr der Spieler zu senken.

Des Weiteren kann der Trainer die langfristige Entwicklung der Mannschaft genau verfolgen.

Mögliche Darstellung der Trainingsleistung eines Spielers (Quelle: https://zonal.ly/fussball-blog-posts/leistungsmonitoring-im-fussball; eigene Darstellung)



Durch diese einfachen Maßnahmen kann das Training stark verbessert werden. Wer möchte als Trainer denn nicht, dass alle Spieler fit und verletzungsfrei sind. Das wäre ein riesiger Vorteil gegenüber anderen Mannschaften.

In einigen Jahren wird es auch im Amateurbereich keine Mannschaft mehr geben, die ohne Hilfsmittel ihr Training optimiert. Ohne ein entsprechendes Monitoringsystem wird man nur schwer konkurrenzfähig sein. Vorausschauende Vereine sollten schon jetzt für etwas Neues offen sein und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil sichern.


Datenerhebung/ Datenauswertung mit Excel

Ganz ohne zusätzliche Kosten kann die Datenauswertung über Excel gemacht werden. Um einen groben Überblick über die Belastungen der Spieler zu erhalten, könnte die Rate of Perceived Exertion (RPE) abgefragt und dokumentiert werden.

Die Rate of Perceived Exertion ist das subjektive Belastungsempfinden der Spieler auf einer Skala von 0-10. Die Spieler sind damit in der Lage schnell und einfach dem Trainer ihre subjektive Belastung mitzuteilen. (Foster, 1996)

Das ist eine sehr einfache und wissenschaftlich valide Möglichkeit, sich einen Überblick über die Mannschaft zu verschaffen und sein Training danach zu steuern. (Foster, 1996)

Die Erhebung der RPE kann zum Beispiel über WhatsApp erfolgen. Jeder Spieler schickt dem Trainer nach dem Training einfach eine Zahl zwischen 0-10, je nachdem, wie intensiv die Belastung eben war. Die erhobenen Daten werden dann einfach in eine Exceltabelle getippt und somit dokumentiert.

Die Erhebung und die Auswertung ist in diesem Fall zwar um einiges aufwändiger, dafür aber kostenlos.





Du möchtest die Belastungssteuerung bei deiner Mannschaft verbessern?

Hier kommst du zu unserer kostenlosen Software: https://tms.sportsense.at/

Mit dieser Software kannst du Daten von deinen Spielern erheben und auswerten.








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Weiterer Beitrag: Die Trainingsprinzipien im Fußball

Wichtige Quellen zu diesem Thema:

Leistungsmonitoring im Fußball (Zonal.ly)




Quellen:

Akenhead, R. & Nassis, G.P. (2016). Training Load and Player Monitoring in High Level Football: Current Practice and Perceptions. International Journal of Sports Physiology and Performance, 11(5), 587-93

Bourdon, P., Cardinale M., Murray A., Gastin P., Kellmann M., et . al (2017). Monitoring Athlete Training Loads: Consensus Statement. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12, S2-161 -S2-170.

Foster, C., Daines, E., Hector, L., Snyder, A. C. and Welsch, R. (1996). Athletic performance in relation to training load. Wisconsin Medical Journal, 95(6), 370-374.

Gabbett, T. J., Nassis, G. P., Oetter, E., Pretorius, J., Johnston, N., Medina, D., Rodas, G., Myslinski, T., Howells, D., Beard, A. y Ryan, A. (2017). The athlete monitoring cycle: a practical guide to interpreting and applying training monitoring data. British Journal of Sports Medicine, 51(20), 1451-1452.