Schnelligkeit im Fußball - Change of Direction Speed & Agility

von Gastautor


Gepostet am 30.7.2021



Der englische Begriff Change of Direction (CoD) oder auch Change of Direction Speed (CODS) beschreibt im Deutschen den Richtungswechsel (RW) oder die Richtungswechselgeschwindigkeit. Der englische Begriff Agility beschreibt im Deutschen die Agilität.


Die Fähigkeit einen Richtungswechsel durchzuführen und auf externe Einflüsse schnell zu reagieren, ist fundamental für jede Sportart. Speziell für den Fußball, da Fußballer immer mit der Fußballumgebung kommunizieren. Es finden permanent (Inter-)aktionen statt (aka. Fußballaktionen).



Definition CoD

Vorgeplante schnelle Ganzkörperbewegung mit Geschwindigkeits- und Richtungsänderung der Bewegung



Definition Agility

Antwort einer rapiden Ganzköperbewegung mit Geschwindigkeits- und Richtungsänderung auf einen externen Stimulus (aka. Reiz)



Closed Skills vs. Open Skills

Diese beiden Fähigkeiten beschreiben die nicht-reaktive und die reaktive multidirektionale Geschwindigkeit.


Closed Skill vs. Open Skill nach EXOS



Training multidirektionaler Geschwindigkeit

Beide Dinge sind komplett unterschiedliche Fähigkeiten und müssen auch anders trainiert werden. Reaktive und kognitive Elemente scheinen für die Agilität wichtig zu sein. Der Unterschied zwischen „high“ und „low“ Fußballern ist die schnellere kognitive Wahrnehmung und Entscheidungsfindung auf eine Situation. Untersuchungen haben gezeigt, dass „high performers“ besser in der sportartspezifischen Umwelt reagieren und antizipieren. Ergänzendes Kraft und Power Training können einen Einfluss auf die CODS haben, allerdings haben Kraft und Power Training einen grundsätzlichen Mehrwert auf die Sportperformance (natürlich unter der Berücksichtigung: welche Phase der Saison, welche Kraftqualitäten braucht der individuelle Fußballer usw.?).

Es hat sich gezeigt, dass multidirektionale plyometrische Übungen einen positiven Effekt auf die CODS haben. Nur wir bereits erwähnt, sind CoD geplante Bewegungen. Das Spiel ist von reaktiver Natur und bisher hat sich nicht gezeigt, dass Kraft, Power und Plyometrie die Agilität verbessert. Daher wird empfohlen, dass „open skilled“ Methoden, wie Spielformen angewendet werden, um die reaktiven und kognitiven Elemente zu trainieren. Außerdem werden 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Spielformen verbessern verschiedene Fitnesskomponenten und zeitgleich fußballspezifische Technik und Taktik. Außerdem werden in kleinen Spielformen (aka. Small-sided-games (SSG)) die schnelle Entscheidungsfindung trainiert.

Agility

Das „beste“ Agility-Training ist die Sportart, der Fußball, an sich! Fußballspieler interagieren mit der Fußballumwelt und führen Fußballaktionen aus. Aus diesem Grund macht das Sinn, dass Spieler verletzungsfrei bleiben (sinnvolles ergänzendes Kraft, Power und Plyometrie Training, um die physischen Kapazitäten zu verbessern), sodass sie immer am Teamtraining und am Wettkampf teilnehmen können, um so das „beste“ Agilitätstraining zu erhalten. Hier stellt sich die Frage, ob das Reagieren auf Blinklichter einen nennenswerten Transfer auf die fußballspezifische Agilität hat oder nicht. Wird der Fußballer besser auf das Reagieren auf Blinklichter oder vollzieht er dadurch schnellere Entscheidungen?



CoD & CODS

Aus physischer Perspektive kann es durchaus Sinn machen, die grundsätzliche Kraft, Power & Plyometrie bilateral, sowie unilateral zu verbessern. Es hat sich gezeigt, dass multidirektionale Plyometrie-Übungen (vor allem der Drop Jump) Verbesserungen in Richtungswechsel Tests erzielt wurden. Hier wieder die Frage: wird dadurch die Fußballperformance verbessert? Das CoD-Training kann die physische Kompetenz verbessern, um einen Richtungswechsel effizienter auszuführen. Technische Komponenten, wie Körperposition (aka. Baseposition), Beinarbeit (aka. Crossover, Shuffle & Cut) können dabei helfen.


Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die 3 Hauptfaktoren, die die Agilität in Spielsportarten beeinflusst:

Drei Komponenten der Agilität nach Young et al. (2015)



Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CODS und Agility 2 unterschiedliche Fähigkeiten (aka. Skills) sind. Nur weil ein Fußballer in einem Richtungswechsel-Test gute Ergebnisse erzielt, bedeutet es nicht, dass die Agilitäts-Performance (schnelle und genaue Entscheidungsfindung) automatisch verbessert wird. Agilität hängt von 3 Hauptfaktoren ab, wohingegen der kognitive Faktor der wichtigste zu sein scheint.

Es kann durchaus mit einem gut geplanten Training die CODS-Performance verbessert werden, das die grundsätzliche physische Kapazität verbessert. Das „closed skill“ ist dem „open skill“ Training vorgeschalten.

Heißt: Wenn im Warm up multidirektionale Geschwindigkeit trainiert wird, um die Fußballer auf das folgende Training vorzubereiten, sollte der Ansatz von nicht-reaktiven zu reaktiven Elementen erfolgen. Nachfolgende Tabelle zeigt verschiedene Trainingsmöglichkeiten.


Verbesserung CODS & Agility (eigene Darstellung)



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Über den Autor Josua Skratek :

Josua Skratek (26) ist (Fußball-) Fitness Coach des Mädcheninternates beim Fußballverbande Westfalen und bei den U17- Juniorinnen von Bayer 04 Leverkusen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Optimierung der körperlichen Leistungsfähigkeit im Kontext Fußball. Der studierte Sportwissenschaftler (aktuell M. A. Sportwissenschaft Schwerpunkt Reha & Prävention) ist auch für die Rehabilitation verletzter Spielerinnen und die Integration in das Mannschaftstraining verantwortlich.

Mail: J.Skratek@web.de

LinkedIn: Josua Skratek

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Quellen:

  1. Young, W. B., Dawson, B. & Henry, G. J. (2015). Agility and Change-of-Direction Speed are Independent Skills: Implications for Training for Agility in Invasion Sports. International Journal of Sports Science & Coaching, 10(1), 159–169.
  2. EXOS. 2014. Online Course. Performance Specialist