Wie funktioniert eine Belastungs- und Regenerationssteuerung im Fußball im Detail? – Der Überwachungszyklus

von Jürgen Pranger


Gepostet am 26.2.2021



Durch das Verständnis der Trainingsbelastung und dessen Auswirkungen können gute Trainer die ideale Belastung vorschreiben, um die Leistung zu verbessern und gleichzeitig die Verletzungswahrscheinlichkeit zu minimieren.


Gabbett et. al. (2017) stellt mit dem Überwachungszyklus eine Möglichkeit für eine Belastungs- und Regenerationssteuerung im Fußball dar. Der erste Schritt beschreibt die Arbeitsbelastung, die der Athlet ausgeführt hat (Externe Belastung: Was hat der Spieler gemacht?). Als Nächstes wird die biologische Reaktion auf die Arbeitsbelastung (Interne Belastung: Wie hat der Spieler körperlich auf die Belastung reagiert?) festgelegt. Der dritte Schritt des Zyklus besteht darin, zu sehen, wie der Spieler die Arbeitsbelastung toleriert (Wohlbefinden: Schmerzen, Muskelkater etc.). Schließlich wird beurteilt, ob der Athlet wieder bereit ist, zu trainieren oder zu spielen.

Durch diese Strategie kann beurteilt werden, ob der Spieler richtig belastet wurde, ob er eine ausreichende Regeneration erhalten hat und wann er wieder bereit ist, die nächste Einheit zu absolvieren bzw. wie intensiv diese Belastung ausfallen sollte.

Dadurch ist eine optimale athletische Entwicklung der Spieler gewährleistet, ohne dass die Spieler überlastet werden.


Lies dazu auch den Beitrag „Grundlagen der Belastungs- und Regenerationssteuerung im Fußball“ Klicke hier!




Der Überwachungszyklus


Darüber hinaus hat Gabbett (2017) eine Matrix für jeden Schritt des Überwachungszyklusses erstellt, um Trainern bzw. Athletiktrainern zu helfen, bessere Entscheidungen während des Trainingsprozesses zu treffen.

Zunächst wird die Beziehung zwischen der externen Belastung und der internen Belastung beurteilt. Zweitens liefert die Kombination von Belastung mit dem Empfinden des Spielers eine Vorstellung davon, ob der Spieler das Training toleriert oder nicht. Als dritter Schritt wird das Verhältnis zwischen der Wahrnehmung, mit der „Bereitschaft“ des Spielers für die nächste Belastung beurteilt, um den Überwachungszyklus abzuschließen und um eine optimale Trainingssteuerung zu gewährleisten (siehe Abbildung unten). (Gabbett et. al., 2017)

Quelle: Gabbett et al. (2017), eigene Darstellung





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Wie kannst du die Interne Belastung, die Externe Belastung, das Wohlbefinden und die Bereitschaft deiner Spieler erheben?

Wie schon erwähnt, gibt es dafür verschiedene Ansätze. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Daten zu erheben. Die Art der Daten können sich auch unterscheiden. Wir möchten hier zwei mögliche Szenarien vorstellen.


Beispiel 1: Spitzenklub mit den nötigen finanziellen Mitteln und Experten

Spitzenklubs, wie der FC Barcelona, Manchester City etc. haben das nötige Kleingeld, um zahlreiche Datenanalysten und Sportwissenschaftler zu beschäftigen, die diesen Überwachungszyklus mit unzähligen Daten füttern und peinlichst genau auswerten.

Schritt 1: Trackingsysteme zur Erhebung der externen Belastung

Im Profifußball werden Trackingsysteme zur Erhebung der externen Belastung der Spieler verwendet. Die Spieler tragen dabei Sensoren am Körper, die unzählige Daten während des Trainings bzw. Matchs erfassen können (gelaufene Distanz, Anzahl der Sprints, Distanz mit einer Geschwindigkeit über 15 km/h, Anzahl der Sprünge etc.). Das Catapult Trackingsystem kann laut deren Angaben über 150 verschiedene Parameter erheben. Das System kostet auch dementsprechend.

Schritt 2: Erhebung der internen Belastung

Anschließend wird erhoben, wie die Spieler physiologisch auf die Belastung reagiert haben. Dazu werden meist Herzfrequenzsensoren verwendet. Aber auch subjektive Daten, wie die subjektive Wahrnehmung der Belastung des Spielers wird erhoben (Wie anstrengend war das heutige Training für dich? Von 0-10). Überraschenderweise sind diese subjektiven Daten laut Studien teilweise sogar aussagekräftiger als Pulsdaten.

Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass das subjektive Empfinden die Gesamtbelastung des Spielers berücksichtigt, während Pulsdaten „nur“ den Reiz auf das Herz-Kreislaufsystem berücksichtigen. Außerdem können die Spieler am besten selbst einschätzen, wie anstrengend eine Belastung war. Vorausgesetzt die Spieler bewerten die Belastung ehrlich.

Ideal ist sicherlich, wenn Pulsdaten und das subjektive Belastungsempfinden erhoben werden.

Schritt 3: Erhebung des Wohlbefindens des Spielers

Hier kann wieder zwischen objektiven Daten (z.B.: Erhebung der Blutwerte) und subjektiven Daten (z.B.: Fragebögen) unterschieden werden. Topklubs verwenden zur Beurteilung des Wohlbefindens meist objektive und subjektive Daten.

Fragebögen sind eine einfache Möglichkeit, um das Wohlbefinden der Spieler zu erheben (z.B.: Total Quality Recovery-Test, Hooper-Index). In diesen Fragebögen, die normalerweise jeden Tag in der Früh ausgefüllt werden, wird erhoben, wie erholt sich die Spieler fühlen, ob sie Schmerzen oder einen Muskelkater haben etc.

Schritt 4: Ist der Spieler für die nächste Belastung bereit?

Hierbei kommen oftmals Kraftmessplatten zum Einsatz. Durch einen Sprungtest (z.B.: Counter Movement Jump) kann beurteilt werden, ob das zentrale Nervensystem des Spielers vollkommen regeneriert ist und bereit für die nächste intensive Trainingseinheit ist (Readiness). Hierbei wird die Sprunghöhe beurteilt. Nimmt die Sprunghöhe einen gewissen Prozentsatz zu den Normalwerten des Spielers ab, ist anzunehmen, dass der Spieler nicht zu 100% regeneriert ist.

Außerdem wird die subjektive Meinung der Spieler erhoben. Fühlst du dich fit? Fühlst du dich vollkommen regeneriert? Bist du motiviert?

All diese Daten werden anschließend von den Experten analysiert. Danach werden die Ergebnisse für den Cheftrainer aufbereitet, damit dieser eine bessere Entscheidung treffen kann. Diese Vorgehensweise hat in den letzten Jahren das Training im Fußball extrem verbessert.



Beispiel 2: Ambitionierter Amateurverein mit oder ohne große Geldbörse

Kleinere Klubs haben meist nicht die Möglichkeiten, ein solch aufwändiges Belastungs- und Regenerationsmanagement zu betreiben. Sie können sich keine teuren Trackingsysteme zur Datenerhebung leisten, geschweige denn die entsprechenden Experten, die die erhobenen Daten auswerten. Trotzdem wollen viele Vereine immer professioneller arbeiten.

Und wie schon erwähnt, gibt es die Möglichkeit, trotz geringerer Mittel professionell zu arbeiten.


Schritt 1: Beurteilung der externen Belastung

Es ist nicht unbedingt notwendig, 150 verschiedene Parameter zu erheben. Du als Trainer musst dir lediglich im Klaren sein, was du trainieren und wie intensiv du trainieren möchtest.

Du kannst deine angestrebte Intensität vorab festlegen (z.B.: Ich möchte heute eine Intensität von 8 erreichen (Skala von 0-10)). Dazu wird zum Beispiel eine Ausdauerspielform gewählt (8 gegen 8, 2 x 14 Minuten, höchste Spielintensität).

Somit hast du deine externe Belastung abgesteckt.


Schritt 2: Wie haben die Spieler auf die Belastung reagiert?

Direkt nach dem Training kannst du nach dem subjektiven Belastungsempfinden der Spieler fragen (Wie anstrengend war das Training für dich? Von 0-10). Ergänzend kannst du auch Pulsdaten erheben. Fast jeder Spieler hat mittlerweile eine Pulsuhr zuhause. Die Spieler könnten mit ihren eigenen Pulsuhren trainieren und du kannst nach dem Training die durchschnittliche Herzfrequenz erheben.

Wichtig: Die Spieler müssen verstehen, warum du diese Daten von den Spielern erheben möchtest. Sie müssen den Mehrwert hinter dieser Methode verstehen. Die Spieler dürfen diese Erhebung nicht als Kontrolle empfinden. Nur so werden die Spieler die Fragen auch ehrlich beantworten.


Schritt 3: Wohlbefinden der Spieler

Wie geht es deinen Spielern am nächsten Tag? Haben sie irgendwelche Schmerzen oder einen Muskelkater? Wie fühlen sie sich? Dafür gibt es bereits vorgefertigte Fragebögen, die innerhalt einer Minute beantwortet werden können.


Schritt 4: Bereitschaft

Wie motiviert sind deine Spieler für das bevorstehende Spiel oder Training? Hierzu reicht es aus, die Motivation der Spieler abzufragen (Wie motiviert bist du? Von 0-10) (Wie fit fühlst du dich? Von 0-10).

Jetzt hättest du ausreichend Informationen, um dein Training optimal zu steuern. Das Problem ist nur, dass diese Methode mit sehr viel Aufwand verbunden wäre. Außerdem müsstest du das Know-how mitbringen, die Daten entsprechend zu interpretieren.

Hierbei kommt eine Trainingsteuerungssoftware ins Spiel. Diese Software ist ein echter Gamechanger im Fußball. Die Software ersetzt quasi die zig Experten einer Profimannschaft. Die Software erhebt automatisch die Daten der Spieler, wertet diese aus und bereitet für dich als Trainer die Ergebnisse übersichtlich auf. Das System erkennt dabei, welche Spieler zu stark bzw. zu gering belastet werden und leitet daraus entsprechende Trainingsempfehlungen ab.

Somit könntest du deinen Trainerstab „virtuell“ um einen Datenanalysten und Sportwissenschaftler erweitern, ohne dass der Verein deren Gehalt zahlen muss.



Fazit

Grundsätzlich wird mit diesem Model die Frage: „Wie reagiert der Spieler auf die Belastung, der er ausgesetzt wird?“, beantwortet. Trainer stehen vor einer Reihe von Herausforderungen bei der Kontrolle der Trainingsbelastung (Verwaltung von großen Datenmengen, Daten interpretieren, Entscheidungen treffen).

Durch das Verständnis der Trainingsbelastung und dessen Auswirkungen können gute Trainer die ideale Belastung vorschreiben, um die Leistung zu verbessern und gleichzeitig die Verletzungswahrscheinlichkeit zu minimieren.

Sehr viele Trainer der „alten“ Schule verstehen das Verhältnis zwischen Belastung und Erholung nicht ganz und planen das Training nach dem Motto „Viel hilft viel“. Wenn diese Trainer ihre Spieler fitter machen wollen (und jeder Trainer möchte fittere Spieler), dann wird dementsprechend hart trainiert.

Doch die Spieler durch wiederholtes hartes Training müde machen kann jeder und ist keine Kunst. Meistens geht der Schuss jedoch nach hinten los. Müde Spieler haben nicht nur eine stark erhöhte Verletzungsgefahr – die dann meistens als "Verletzungspech" abgetan wird -, sondern die Performance am Feld leidet ebenfalls darunter.

Das Problem ist jedoch nicht die Belastung selbst, sondern deren Organisation innerhalb eines Trainingszyklusses. Die Kunst eines Trainers bzw. Athletiktrainers besteht demnach nicht darin, die Spieler sinnlos zu ermüden, sondern die Belastung so zu steuern, dass sie sich optimal entwickeln können, ohne dass die Verletzungsgefahr steigt.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine planvolle Belastungs- und Regenerationssteuerung im Fußball unumgänglich.





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Literatur:

Gabbett, T. J. (2016). The training-injury prevention paradox: should athletes be training smarter and harder? British Journal of Sports Medicine, 0, 1-9. Doi: 10.1136/bjsports-2015-095788

Gabbett, T. J., Nassis, G. P., Oetter, E., Pretorius, J. et. al. (2017). The athlete monitoring cycle: a practical guide to interpreting and applying training monitoring data. British Journal of Sports Medicine, 51(20), 1451-1452